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Eltern sind zufrieden, haben aber kaum Einfluss

246 Väter und Mütter nahmen 2016 an der Umfrage teil. Positiv: 9 von 10 Eltern würden ihr Kind wieder auf die Rudolf Steiner Schule Basel schicken. Kritik gab es für wenig Innovation, teilweise Unterforderung und die Kommunikation mit den Eltern.

Die Studie

Schuleltern sind bisher kaum erforscht. Deshalb fand von Januar bis März 2016 eine Umfrage statt, an der 2737 oder rund die Hälfte aller Elternhäuser der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz teilnahmen. Untersucht wurde: 1 Warum Eltern ihr Kind auf eine Steinerschule schicken, 2 Wie sie die Steinerschule erleben und 3 Wer die Eltern sind.
Die Eltern erhielten einen Link zu einem ausführlichen Fragebogen, den sie online ausfüllten. Dafür brauchten die Eltern durchschnittlich 57 Minuten. Die Rücklaufquote lag bei hohen 38%. Für das Engagement der Antwortenden sprechen auch die vielen tausend Kommentare zu den Freitextfragen: «Eure Umfrage fand ich absolut klasse! Ich freue mich sehr über diese Offenheit und Transparenz.» Viele Eltern haben ungefragt ihre Hoffnung geäussert, dass die Elternumfrage die Weiterentwicklung der Schulen durch die Kollegien und Vorstände fördert.
Die Auswertung der Fragebögen geschah unter Mitwirkung von Professor Lars Petersen von der Alanus Hochschule in Alfter/Deutschland. Die Ergebnisse für die Rudolf Steiner Schule Basel sind angegeben als Durchschnittswerte z. B. (Basel 4.5/5), der Durchschnittswert aller übrigen Steinerschulen in der Schweiz als z.B. (Alle 3.8/5). Die Zahl hinter dem Schrägstrich gibt das positive Ende der jeweiligen Bewertungsskala an.

Wie beurteilen Eltern die Schule für ihr Kind?

Eines der erfreulichsten Ergebnisse: Die Eltern geben an, sie würden die Rudolf Steiner Schule Basel weiterempfehlen (Basel 8.4/10). Sie bestätigen, dass die Fähigkeiten ihres Kindes sehr gut gefördert werden, insbesondere sein selbständiges Denken und Handeln (Basel 8.1/10). Leicht zurückhaltender bewerten sie die Erneuerungskraft ihrer Schule (Basel 6.9/10, Alle 6.5/10). Trotzdem finden sie, dass ihr Kind an der richtigen Schule ist, und würden es wieder dorthin schicken (Basel 4.6/5, Alle 4.5/5).
Eltern erkennen an ihren Kindern oder aus Elterngesprächen, dass ihre Schule relevante Kompetenzen fördert (siehe Abbildung 1). Am stärksten gilt das für das Kognitive (Basel 4.26/5, Alle 4.20/5), die Urteilsfähigkeit (Basel 4.14/5, Alle 4.08/5) und den sozialen Umgang (Basel 4.19/5, Alle 4.13/5). Am schwächsten gilt das für das Lernen, wie man selbst lernt (Basel 3.39/5, Alle 3.50/5). Hingegen bestätigen die Eltern eine positive Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder, zum Beispiel hinsichtlich Selbstbewusstsein, Kontaktfähigkeit, Vertrauen, Ausdrucksfähigkeit und Willenskraft (Basel 3.53, Alle 3.50/4). Die Schülerinnen und Schüler lernen zudem, im späteren Leben zu bestehen (Basel 3.39/4, Alle 3.28/4). Zentralste Ziele der Erziehung scheinen Steinerschulen demnach besonders gut zu erfüllen.

Abb. 1: Kompetenzen

Die Steinerschule schafft eine gute Basis für Ausbildung, Studium und Beruf. Denn von den Eltern, die selbst eine Steinerschule besuchten, haben heute 46% einen Hochschul-, 19% einen Meister- und 25% einen Lehrabschluss oder die Maturität. Zudem bestätigen Eltern, die selbst eine Steinerschule besucht haben, dass ihre Kinder gut in den weiterführenden Ausbildungen ankommen. Denn 20% dieser Kinder sind an weiterführenden Schulen, 25% in einer Berufslehre und 35% in einem Studium.

Wie wichtig ist Eltern Waldorfpädagogik?

Eltern vertrauen ihre Kinder einer Steinerschule an, weil ihnen Waldorfpädagogik sehr wichtig ist, zum Beispiel die Ganzheitlichkeit, die Gesundheitsförderung (Salutogenese), die Berücksichtigung des Potentials, die Erziehung zur Freiheit, die Individualisierung des Unterrichts, die Persönlichkeits- und Willensbildung und das Entwickeln von kognitiven, physischen, emotionalen und kreativen Fähigkeiten.
So ist es für die Eltern von 18 vorgegebenen pädagogischen Merkmalen am wichtigsten, dass ihre Schule die Schülerinnen und Schüler zu selbstständigen Menschen erzieht, die eigenverantwortlich handeln wollen (Basel 4.9/5). Dass eine Steinerschule auch den Intellekt fördert, wird von den Eltern selbstverständlich auch erwartet (Basel 4.2/5), rangiert aber erst nach der Förderung von kreativen, sozialen, individuellen, musischen und handwerklichen Fähigkeiten.
Eltern erwarten, dass sich die Pädagogik ihrer Schule an dem ganzheitlichen Menschenbild orientiert, das Rudolf Steiner beschreibt. Demnach sollen die Lehrpersonen den Schülerinnen und Schülern als physische, seelische und geistige Wesen gerecht werden (Basel 4.3/5).

Wie beurteilen Eltern das Profil einer Steinerschule?

Die Umfrage zeigt eine hohe Wechselrate von der Staatsschule an die Steinerschule. So gaben 25% der Basler Eltern an, dass eines oder mehrere ihrer Kinder von der Staatsschule an die Steinerschule gewechselt sind. Bei allen Schulen gaben das sogar 38% der Eltern an. Die Wechselerwartungen der Eltern haben sich bei allen Schulen sehr gut erfüllt (Basel 3.7/4). Einer der häufigsten Wechselgründe war die spezifische Pädagogik.
Nur 5.5% aller Antwortenden haben auch Kinder, welche die Steinerschule verlassen haben. Dabei verlief die Integration in den Klassenverband der neuen Schule grundsätzlich ohne Probleme. Allerdings war der Anschluss an ein anderes Schulsystem wissensmässig nicht immer nahtlos.
Das allgemeine Profil der Rudolf Steiner Schulen wird im Mittel aller antwortenden Eltern als kooperativ, offen und fortschrittlich beschrieben. Es wird aber nicht als ausgesprochen modern oder innovativ empfunden, sondern tendenziell eher etwas dogmatisch. Die Eltern der Rudolf Steiner Schule Basel sehen Rudolf Steiner Schulen deutlich weniger volksnah, als dies die anderen Eltern tun. Das Profil, das sich aus den Antworten der Eltern der Rudolf Steiner Schule Basel ergab, zeigt Abbildung 2.

Wie setzt sich die Elternschaft zusammen?

Die Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz werden von bildungsnahen Eltern getragen. 67% (Basel 73%) der Antwortenden geben als höchste Ausbildung einen Meister-, Fachschul- oder Hochschulabschluss an. Ihr Ausbildungsniveau ist somit wesentlich höher als dasjenige der schweizerischen Wohnbevölkerung (siehe Bundesamt f. Statistik goo.gl/3XOOZ2). Darüber hinaus geben 39% (Basel 41%) der Eltern an, sich auch pädagogisch aus- oder weitergebildet zu haben. 4% sind als Lehrpersonen an einer Steinerschule tätig, 8.3% an anderen Schulen. Damit ist der Anteil der Kinder von Lehrpersonen erfreulich hoch. Ein Grossteil der Antwortenden kennt sich steinerschulmässig gut aus: 18% (Basel 25%) haben selbst eine Steiner Schule besucht, 39% (Basel 47%) haben zum Zeitpunkt der Umfrage Kinder seit mindestens sieben Jahren an der Schule und 17% (Basel 21%) auch noch Kinder, die schon eine Steinerschule abgeschlossen haben.

Abb. 2: Profil der Steinerschulen aus Sicht der Basler Eltern

Die Steinerschulen sind Familienschulen: 77% (Basel 84%) sagten, alle ihre Kinder gingen dort zur Schule.
Das Berufsspektrum der Basler Steinerschul-Eltern verteilt sich schwerpunktmässig auf folgende Berufsgruppen: Lehr- und akademische Berufe 34% (Alle 27%), technische- und kaufmännische Berufe 18% (Alle 21%) und soziale Berufe 17% (Alle 20%).

Wie beurteilen Eltern ihre Mitarbeit?

Die freiwillige Mitarbeit der Eltern ist für eine Steinerschule in mehrfacher Hinsicht wichtig: Sie verbindet die Schulgemeinschaft, spart Kosten, und sie kann die Qualität der Schule positiv beeinflussen. Dies, wenn es gelingt, die vielfältigen, hohen Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungen der Eltern für die Schule nutzbar zu machen. So schenken 26% der Eltern der Basler Steinerschule mindestens zwei Stunden Freiwilligenarbeit pro Monat (Alle 40%). 93% von ihnen erlebt dies als persönliche Bereicherung.
Eltern beurteilen die Mitarbeit sehr unterschiedlich. 91% haben das Gefühl, das soziale Leben der Rudolf Steiner Schule Basel mitprägen zu können, zum Beispiel am Bazar, an Festen oder an Klassenfahrten. Dies sind wichtige Dienstleistungen, aber doch nur ergänzend und peripher zu Aufgaben, die den Unterricht oder die Schulorganisation betreffen.

Nur mehr 50% der Eltern sind der Ansicht, dass sie – wenn sie dies wollten – willkommen wären, die Organisation der Rudolf Steiner Basel mitzugestalten, z. B. die Prozesse und Schulleitungsstrukturen. Dass allein die Lehrpersonen für die Pädagogik zuständig sind, wird von den Eltern einhellig akzeptiert. Traditionell ist an den Rudolf Steiner Schulen die Pädagogik die Domäne des Kollegiums; die Bereitstellung der wirtschaftlichen Ressourcen hingegen weitgehend die Domäne des Schulvorstandes und der Eltern, die Mitglied im Schulverein sind. Dennoch: Einer sehr bildungsnahen, gut ausgebildeten, lebenserfahrenen und erziehungsbewussten Elternschaft dürfte man vielleicht auch die Mitwirkung in der pädagogischen Entwicklung der Schule zutrauen.
Wie die grosse Mehrheit aller Antwortenden finden es auch 86% der Basler Eltern sehr wichtig oder wichtig, dass die Schule einen Elternrat hat, der partnerschaftlich mit Kollegium und Schulleitung an Schulorganisation und Pädagogik arbeitet. Wie an anderen Steinerschulen mit Elternrat auch, haben aber erst 52% der Basler Eltern den Eindruck, dass die Zusammenarbeit zwischen Elternrat und Kollegium die Qualität der Schule schon fördert (Basel 3.5/5).

Was denken Eltern über die Qualität der Schule?

70% der Eltern bewerten folgende Qualitätsmerkmale gut (siehe Abbildung 3): häufiges Üben als Teil des Unterrichts, damit Fähigkeiten und Können entstehen und nicht nur abrufbares Wissen; Lehrpersonen, die mitten im Leben unserer Zeit stehen; Lehrpersonen, die Elternanliegen ernsthaft behandeln, individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler; Fördern von Kindern mit Lernschwierigkeiten. Einerseits gestehen nur rund 50% der Eltern den Steinerschulen zu, dass sie Schülerinnen und Schüler fördern, die spezielle Begabungen haben. Ebenso schwach beurteilen Eltern die interne Berufsberatung, so dass Eltern sowie Schülerinnen und Schüler gut verstehen, welche Berufs- und Studienmöglichkeiten die Abschlüsse ermöglichen. Verglichen mit den anderen Steinerschulen scheint das Basler Schulgebäude in einem besseren Zustand zu sein (Basel  3.2/4, Alle 3.0/4). Der Umgang mit aktuellen Problemen, z. B. Medien, Internet, Sexualität, Gewalt, Drogen, Genderfragen, Immigration, Multikulturalität wird nach Ansicht der Eltern nur sehr schwach gelehrt (Alle 2.7/4), wobei der Mittelwert für Basel leicht höher liegt (Basel 3.0/4). Es mag erstaunen, dass 25% der antwortenden Eltern finden, ihre Kinder sind an der Rudolf Steiner Schule Basel unterfordert.

Abb. 3: Eindrücke zur pädagogischen Qualität

Die von den Eltern top bewerteten sechs Qualitätskriterien umfassen: Persönlichkeitsentwicklung, soziale Integration aller SchülerInnen, Lernen, im Leben zu bestehen, genügend Freizeit, um auch ausserhalb der Schule zu lernen, Lehrpersonen nehmen sich Zeit für die Nöte und Anliegen der SchülerInnen, Lehrpersonen sind gute Vorbilder.

Wo sehen Eltern Entwicklungsbedarf für die Schule?

Die Eltern bewerteten auch Schulentwicklung, Erziehungspartnerschaft und Schulmana­gement (siehe Abbildung 4). Danach möchten die Eltern besser verstehen, warum was wann in der Schule gelehrt wird. Es ist ersichtlich, dass sich die Schulen hier relativ einfach verbessern können, z. B. in der Kommunikation. Obwohl auch die Konfliktkultur an den Schulen verbesserbar ist, wird der Unterricht nach Ansicht der antwortenden Schuleltern kaum durch Konflikte unter den Lehrpersonen belastet (Basel 3.8/5). Die Basler Schule unterscheidet sich signifikant von anderen Schulen bezüglich Transparenz. Zum Beispiel ist den Eltern recht unklar, wer für was zuständig ist (Basel 3.1/5, Alle 3.3/5).

Abb. 4: Qualitätsentwicklung

Der Frage «Ich sehe, dass sich die Rudolf Steiner Schule Basel pädagogisch weiterentwickelt (z.B. neue/zusätzliche Unterrichtsmittel oder neue Angebote/Fächer wurden eingeführt, neue/veränderte Unterrichtsmethoden werden angewendet, die Lehrpersonen bilden sich weiter und berichten darüber)» stimmten nur 56% der Antwortenden zu (Basel 3.6/5, Alle 3.3/5). Das Resultat zeigt, dass pädagogische Entwicklung, wenn sie denn geschieht, den Eltern besser kommuniziert werden kann. Die Analyse der Antworten verschiedener Fragekomplexe empfiehlt den Schulen, die folgenden Entwicklungsfelder zu prüfen: Information der Eltern und Jugendlichen über den Wert der Schulabschlüsse und Berufsberatung, Aspekte individueller Förderung, Umgang mit Zeitphänomenen (z. B. Medien, Drogen, Multikulturalität), Lerntechnik, Interaktion mit den Eltern, Transparenz und generell die Pflege und stetige, zeitgemässe Fortentwicklung der pädagogischen Qualität.
Bezüglich der Zukunftsentwicklung für die Steinerschulen bemerkten Antwortende z. B., es sei wichtig, «die Grundwerte der Schule in die Moderne zu integrieren» oder «Elterninitiativen gegenüber offener zu sein». Vieles sei «recht eingefahren», oder es bestünden «informelle Hierarchien, die der Entwicklung der Schule schaden.»

Wie beurteilen Eltern die Finanzierung der Schule?

Die allermeisten Steinerschulen in der Schweiz sind vollumfänglich privat finanziert. Der Finanzierung liegt die Idee zugrunde, dass Beiträge an die Schule nicht ein Entgelt für den eigenen Bezug einer pädagogischen Dienstleistung sein sollen, sondern dass sie dazu dienen, die Waldorfpädagogik respektive die begünstigte Steinerschule zu ermöglichen. Dies setzt soziale Gesinnung und Solidarität voraus. Die Studie fragte die Eltern, wie sie das Schulbeitrags-System bewerten (siehe Abbildung 5). Bei der Basler Steinerschule scheint die solidarische Gesinnung sogar noch etwas stärker ausgeprägt zu sein als an anderen Schulen. Insbesondere die Bevorzugung eines Beitragssystems pro Familie anstatt pro Kind ist höher (Basel 3.4/4, Alle 3.1/4).

Abb. 5: Meinungen zum Schulgeldsystem
Abb. 6: Eltern identifizieren sich mit der RSS Basel

Wie stark identifizieren sich die Eltern mit der Schule?

Diese Studie versuchte mit ein paar klassischen Fragen auch zu ergründen, wie stark sich die Antwortenden mit der Schule identifizieren. Die Resultate für die Rudolf Steiner Schule Basel sind in Abbildung 6 wiedergegeben.
Die Analyse der 5522 Kommentare zur Freitextfrage «warum Steinerschule?» gibt Hinweise darauf, was die Eltern mit der Steinerschule verbinden. Die Wahl der Steinerschule wurde überwiegend begründet mit: dem spezifischen Bildungskonzept und dem Engagement der Lehrpersonen, der besonderen Lernstimmung, der Individualisierung des Unterrichts, und der Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Als Beispiel sei diese Aussage zitiert: «Weil diese Schule ein Kind maximal dabei unterstützt, sich zu einem seelisch, geistig und körperlich gesunden, das heisst selbstsicheren, sozialen und eigenständig denkenden Menschen zu entwickeln, um so zu einem tätigen Mitgestalter unserer Welt werden zu können.»
Steinerschul-Eltern sind übrigens auch sehr glückliche Menschen. Die berühmte Frage «Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit dem Leben, das Sie führen?» ergab den Wert 8.1/10.

Heinz Brodbeck

 

Heinz Brodbeck ist Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz und ehrenamtlicher Projektleiter der Elternumfrage 2016.

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