Im Verlauf der 12-jährigen Schulzeit werden Epochenunterricht, Handarbeits-, Handwerks- und Kunstunterricht immer wieder mit praktischen Projekten ergänzt. Hier eine Auswahl:
In den ersten zwei Klassen verbringen die Kinder mit ihren Lehrerinnen und Lehrern regelmässig einen Schultag im Wald. Bei den Bewegungsspielen im Freien lernen sich die Kinder kennen und wachsen als Klasse zusammen.
In der 3. Klasse bestellen die Kinder bei einem Bauern ein Feld. Sie pflügen und eggen den Acker von Hand und säen das Getreide. Im Lauf des Jahres besuchen sie «ihr» Feld immer wieder, jäten es und beobachten die Saat. Wenn das Getreide reif ist, ernten es die Kinder, dreschen und mahlen es und backen Brote.
Im Rahmen der Hausbauepoche besuchen die Kinder verschiedene Handwerker. Unterstützt von Eltern nehmen sie im Schulgarten, rund ums Schulhaus oder an einem anderen Ort eine Bauarbeit in Angriff. Das kann eine Mauer, eine Brücke oder ein Gartenhäuschen sein.
Ebenfalls in der 3. Klasse verreisen einige Klassen ins erste Lager. Zwei oder drei Tage lang wohnen die Kinder auf einem Bauernhof und scheren Schafe. Die Wolle verarbeiten sie später in der Schule, waschen, zupfen, kardieren, spinnen und färben sie.
Ein Höhepunkt in der 4. Klasse ist das Sommerspiel kurz vor den grossen Ferien. Manche Kinder wissen schon im Kindergarten, ob sie ein Feuergeist, eine Nymphe, ein Zwerg, eine Sylphe oder ein Faun sein möchten. Mit dem Sommerspiel feiert die ganze Schule den Johannitag.
In der 5. Klasse führen die Kinder am Bazar einen Zirkus auf, den sie im Turnunterricht einstudiert haben. Ihre Kunststücke werden musikalisch von den Eltern der Klasse begleitet.
Im Rahmen einer Epoche über das alte Griechenland in der 5. Klasse nehmen die Kinder zusammen mit den 5. Klassen der regionalen Steinerschulen – neuerdings sind auch Staatsschulen dabei – an den «Hermes Olympischen Spielen» teil. Sie messen sich in den klassischen olympischen Disziplinen, bei denen auch ein Wagenrennen nicht fehlt.
In der Mittelstufe verreisen einige Klassen in die Berge und üben das Klettern am Fels. Es ist spannend, braucht Mut und macht Spass, wenn man sich das erste Mal einem sichernden Kollegen anvertraut und sich ins Seil fallen lässt. Zu diesem Lager gehört meist auch die Überquerung eines Gletschers.
In eine andere Person zu schlüpfen und diese in Sprache und Gesten glaubhaft darzustellen, fällt 14- bis 15-jährigen Jugendlichen meist nicht leicht. Gerade deshalb hat sich das Einstudieren eines Theaterstücks in diesem Alter als pädagogisch sinnvoll erwiesen. Bei manchen Schülerinnen und Schülern kann man nachher einen deutlichen Entwicklungsschritt feststellen. Nicht nur beim Spielen, auch beim Herrichten der Bühne, beim Malen der Kulissen und beim Nähen der Kostüme sind persönlicher Einsatz und Teamarbeit angesagt.
Im Forstlager und im landwirtschaftlichen Praktikum lernen die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler schwere körperliche Arbeit kennen. Im Forstlager geht es um den Schutzwald, im Landwirtschaftspraktikum steigen die Jugendlichen für drei Wochen allein in einen Betrieb ein und ordnen sich in die Arbeitsabläufe ein.
Die Kunstreise in der 11. Klasse ist ein wichtiger Teil des Kunstunterrichts. Viele Klassen reisen nach Florenz, je nach den behandelten Themen werden aber auch andere Städte bereist wie Barcelona oder Berlin. Die Reise ist mit intensiver künstlerischer Arbeit verbunden, zum Beispiel Steinhauen in der Toscana.
Die Orchesterreise ist ein Höhepunkt des Musikunterrichts: Das Oberstufenorchester erarbeitet während einer intensiven Probewoche sinfonische Werke, die am Gastort aufgeführt und später auch in der Schule zu Gehör gebracht werden.
In der 10. Klasse gibt die Schule den Schülern und Schülerinnen eine Woche Zeit, um in einem selbst gewählten und organisierten Praktikum einen Beruf kennen zu lernen und zu erleben, wie es in der Arbeitswelt zu und her geht.
Für das Theaterprojekt kurz vor Ende der Schulzeit ist viel selbständige Arbeit verlangt. Die Schülerinnen und Schüler müssen zeigen, was sie gelernt haben. Ein gutes Projekt, bevor es ins Leben hinausgeht, denn «Die ganze Welt ist Bühne» (Shakespeare).